Henke über HENKE
Bedeutet die neue Band HENKE das Ende von Goethes Erben?
Oswald Henke: Nein, Goethes Erben pausieren, aber ich habe mit Mindy vereinbart, dass ich in dieser Pause mit einer neuen Liveband einen musikalischen Streifzug durch meine persönliche musikalische Geschichte machen möchte. Ich hatte einfach große Lust darauf, wieder live mit Stücken von Goethes Erben, Artwork und Erblast aufzutreten. Und ich habe damals auch unseren Fans versprochen, dass ich mein Möglichstes tun werde, um ein Wiederhören mit liebgewonnen Musiktiteln zu ermöglichen. Dieses Versprechen löse ich 2009 mit HENKE ein und wir werden auf diversen Festivals mit dieser Formation zu sehen sein.
Kollidiert das nicht mit Interessen der Band fetisch:Mensch?
Oswald Henke: In meinen Augen nicht, aber es scheint manche Veranstalter zu verwirren, wie ich leider feststellen musste. Aus diesem Grund werde ich zukünftig beide Bands und auch meine Leseaktivitäten über eine Agentur buchen lassen. Dann sollte es klar werden, wo die Unterschiede dieser drei Liveaktivitäten liegen.
HENKE ist eine Band, die nur aus vorhandenem Repertoire schöpft, sprich: Wir arrangieren die Lieder neu, aber schreiben keine neuen Stücke.
fetisch:Mensch ist eine aktive Band, die auch neue Lieder schreibt und komplett anders funktioniert als HENKE.
HENKE ist meine Band, in der Musiker mitspielen, die ich gefunden habe. Hier bin ich der Chef.
Bei fetisch:Mensch spielen vier Musiker, die sich als Band gefunden haben; dort bin ich Sänger, oder sagen wir es so, ich nehme die Position ein, die man in Bands üblicherweise als Sänger bezeichnet ...
Was darf man von HENKE live erwarten?
Oswald Henke: Wir arbeiten ohne Sequenzer, dafür mit zwei Keyboardern, teilweise triggert unser Bassist zusätzliche Loops an. Somit ist diese Band komplett unabhängig von einer durch Computer vorgegebenen Struktur. Das ermöglicht es, mit den Stücken zu spielen ... Strukturen können so während eines Konzertes verändert werden. Das war zwar bei Goethes Erben bei vielen Stücken auch möglich, doch hier war die Struktur durch die Sequenzerspuren bei vielen Stücken vorgegeben, also strenger festgelegt. HENKE klingt trotz der zwei Keyboarder weniger elektronisch als die Erben. Die große Stärke der Band ist, dass hier letztlich zwei Generationen am Werk sind. Die eine Hälfte der Band ist um die 20 und die andere Hälfte deutlich über 25. *g*
Wie verlaufen die Proben mit HENKE?
Oswald Henke: Ich habe viel Spaß, muss manchmal schimpfen und komm mir manchmal etwas unjugendlich vor :-)
Die Probenarbeit macht richtig Spaß und ich freue mich darauf, nach Jahren Lieder wie "Warum" von Erblast oder "Liebling der Götter" von Artwork live umsetzen zu können. Auch Erbenklassiker wie "Sitz der Gnade" oder "Zinnsoldaten" gehören zum Programm.
Was unterscheidet die Proben von HENKE zu denen von fetisch:Mensch?
Oswald Henke: Bei fetisch:Mensch wird mehr diskutiert, und das liegt an der Tatsache, dass vier Musiker an neuen Stücken arbeiten.
Das heißt auch, dass man sich kreativ reibt und auch musikalisch in Sackgassen gerät. Aber die Band versteht es dann dennoch, ihren Weg als Band zu finden und dann auch musikalisch zu gehen. fetisch:Mensch ist im Gegensatz zu HENKE eine Banddemokratie ... und HENKE eben eine absolute Monarchie ...
Man kann beide Bands nicht miteinander vergleichen. Es sind zwei ganz unterschiedliche Ansätze.
Die Bandfotos werden von vielen als "gewagt" angesehen. Wieso diese Art von Bandfotos?
Oswald Henke: Wir sind eben eine verspielte Band. Wir hatten viel Spaß bei der Fotosession mit Angst im Wald, dem es trefflich gelungen ist, den Geist dieses Bandprojektes einzufangen. Denn es geht bei HENKE um das Spielen, was letztlich Musik machen ist.
Zeit mit etwas Angenehmen verbringen und dabei Spaß haben. Aber auf der Bühne wird es auch Platz für ernste Momente geben; so gut wie ausgeblendet ist dagegen der Musiktheateraspekt von Goethes Erben bei der Livepräsenz von HENKE. Die Lieder grooven sogar – ich bin gespannt, ob es uns gelingt, auch das Publikum zu Bewegungshandlungen zu inspirieren ...
